Recht hattest du ?

– das will nicht viel bedeuten.
Nur was du wirktest, reicht in alle Ewigkeiten.
(Arthur Schnitzler)
Zwei Mönche stritten über einen Lehrtext.
Jeder der Beiden bestand darauf, dass er Recht habe,
und bezeichnete die Meinung des Anderen als falsch.
Bis einer der Beiden sagte:
„Ich frage den Meister, er soll darüber entscheiden“.

Somit ging er zum Meister,
der gerade von einem dritten Mönch den Kopf rasiert bekam.
Er fragte den Ehrwürdigen Meister:
„Ich hatte eben Streit mit meinem Bruder.“
Er zitierte die zugrunde liegende Textstelle und teilte seine Interpretation mit.
„Mein Bruder dagegen behauptet, ich sei im Irrtum.“
und trug auch die Meinung seines Bruders vor.
Dann fragte er den Meister:
„Meister, wer von uns Beiden hat denn nun Recht?“

Der Meister sagte: „Du hast Recht.“

Erfreut ging dieser Mönch nun zu seinem Bruder und erzählte ihm davon.
Dieser wiederum lief sofort zum Meister und beschwerte sich:
„Ehrwürdiger Meister, das kann doch wohl nicht stimmen!
Ich berufe mich auf den Kommentar eines großen Lehrers und soll mich irren?“

Der Meister sagte: „Du hast Recht.“

Der dritte Mönche, der dem Meister noch immer den Schädel rasierte und das Ganze miterlebte, war sehr wahrheitsliebend und sagte:
„Meister, ehrwürdiger Meister, wie kannst du sagen, beiden haben Recht?!
Entweder hat nur der Eine oder Andere recht!“

Der Meister sah ihn lächelnd an und sagte: „Auch Du hast Recht.“

(Buddhistische Anekdote)

Sehnsucht

macht die Dinge und die Menschen unwirklich.
Darum ist alles Erreichte so anders als das Ersehnte.
Nicht schlechter oder besser, aber anders.
Aber auch zu dem Erreichten
steht man oft in einem Verhältnis der Sehnsucht,
nicht etwa weil man es nicht ganz,
sondern weil man es anders erreicht hatte.
(Arthur Schnitzler)
Erinnerung_Sehnsucht.Hanne.jpg
Die Sehnsucht
ist nicht vergleichbar mit dem Gefühl
jemanden zu vermissen.
Denn wenn man sich nach jemandem sehnt,
schaut man in die Zukunft
und wenn man jemanden vermisst,
denkt man an die Vergangenheit.

Verzeihen und vergessen

Was unsere Seele
am schnellsten und schlimmsten abnützt,
das ist:
Verzeihen ohne zu vergessen.
(Arthur Schnitzler)

Dove non c’e amore e perdono la strada diventa chiusa
Sinngemäß: Ein Weg ohne Liebe und Vergebung
ist eine Sackgasse
von einem Pfarrer in Pisa