teuflisch gerecht

Der Richter und der Teufel
Ein strenger Richter fuhr einmal in die Stadt zum Markt.
Er saß stolz in seinem Wagen und freute sich über jeden, der ihn grüßte.
Unterwegs begegnete ihm auch der Teufel.
„Lass mich ein Stück mitfahren, Richter“, bat der Teufel.
„Komm, setz dich zu mir, Teufel“ sprach der Richter und machte ihm neben sich auf dem Wagen Platz.
Sonst nahm er nie jemanden mit, aber vor dem Teufel hatte auch er Angst.
Darin unterschied er sich nicht von anderen Menschen.
Der Richter dachte sich:
Wenn ich mich mit dem Teufel gut stelle und ihm zu Munde rede, wird auch er mich freundlich behandeln.
Und wer mit dem Teufel auf gutem Fuß steht, der braucht keine Angst vor der Hölle zu haben.
Darum überließ der Richter dem Teufel den breitesten Teil des Sitzes und fuhr dann weiter.
Sie trafen einen Greis, der ein junges Schwein von der Straße fortjagte.
„Der Teufel soll dich holen, du verrücktes Ferkel“, schrie er dabei und drohte ihm mit der Faust.
„Hol dir doch schnell diesen Braten“, meinte der Richter zum Teufel und wollte ihn damit loswerden.
„Ach, nein“ schüttelte der Teufel den Kopf.
„Der Alte hat es ja nicht so wörtlich gemeint. Man benutzt meinen Namen oft zum Fluchen“.
Sie fuhren weiter, und ein kleines Mädchen lief ihnen über den Weg.
Sie hätten es beinahe überfahren.
Die Mutter erwischte es rechtzeitig und zog es schnell von der Straße.
„Der Teufel soll dich holen, du dummes Ding“ schrie sie zornig und gab der Unvorsichtigen einen Backenstreich.
„So nimm dir doch dieses Kind, wenn es dir die Mutter geben will“, sagte der Richter zum Teufel.
„Aber keine Mutter meint das wörtlich“, entgegnete der Teufel, und er musste es wissen.
Sie fuhren weiter und trafen ein altes Weiblein, dem hatte der strenge Richter vor kurzem die Ziege fortgenommen, weil sie auf der Gemeindewiese weidete.
Als ihn das alte Weiblein sah, drohte es ihm mit der Faust:
„Der Teufel soll dich holen Richter, denn du bist ein Feind der armen Leute!“
„Diesmal hat es das alte Weiblein wörtlich gemeint“,lachte der Teufel schadenfroh,
packte den Richter beim Kragen und schleppte ihn in die Hölle.

Dort schmort er heute noch!
(aus Schweden)
Quelle: Mein sehr schönes altes Vorlesebuch
„Sandmännchens Reise durchs Märchenland“
von Heinz Görz

Um über andere zu urteilen und sie zu verurteilen,
musst du ein Heiliger sein!
(Sprichwort)

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